Home
Klosterau
Klosterau | Klosterau |
|
Wie alles begann: eine kurze Geschichte Am Anfang stand eine kleine Kapelle, die bereits 770 im späteren Kloster Au von zwei Salzburger Priestern provisorisch errichtet wurde. Es folgte bald schon eine romanische Basilika, die später gotisiert wurde. Der Ursprung der heutigen barocken Kirchen- und Klosteranlage reicht zurück in die Zeit des Westfälischen Friedens 1648, als nach den Verwüstungen des Dreißigjährigen Krieges ein unerwartet rascher wirtschaftlicher Aufschwung einsetzte - und mit ihm auch eine zunehmende Bautätigkeit. Die Augustiner Chorherren lassen sich um diese Zeit eine neue Kirche bauen. Die Pläne dazu stammen von dem graubündener Domenico Christophero Zuccalli. Die Zuccalli-Familie war seit den 60-er Jahren des 17. Jahrhunderts zwischen Oberbayern und dem Innviertel äußerst wirkungsreich tätig. Tricks gegen die Zerstörung Mit der Säkularisation wurden die Augustiner Chorherren aus Au verbannt, die Klosterkirche sollte abgerissen werden. Mit einem Trick vereitelte das Propst Florian: Er kaufte die kleine Nikolauskirche, ließ sie niederreißen - und rettete damit die große Kirche, da laut Gesetz in jeder Pfarrei eine Kirche erhalten bleiben musste. Der Turm fand, obwohl dreimal zur Versteigerung ausgeschrieben, keinen Käufer. Die weithin bekannte Peterskirche, einer der seltenen Rundbauten, wurde auf ähnliche Weise gerettet: Für 50 Gulden ersteigert, stellte sie der neue Eigentümer den Bauern als Maschinenhalle zur Verfügung: Die Peterskirche durfte stehen bleiben. Brandkatastrophe Bei einer verheerenden Feuerkatastrophe 1969 brannte der Dachstuhl sowie die beiden Turmkuppeln nieder. Bei den Aufbauarbeiten mussten auch Stuck und Fresken im Kircheninnern erneuert werden. Die Aufbau-Arbeiten erstreckten sich fast über ein Jahrzehnt. In diesem Zusammenhang geschah auch der zunächst zwar kostengünstige, aus kirchenmusikalischer Sicht aber katastrophale „Neubau" der Orgel. Straub-Grab Neben den aufwendig gestalteten Seitenaltären, dem kunstvoll geschnitzten Chorgestühl und den prunkvoll komponierten Marmor-Gräbern der Auer Pröbste ist das Grabmal der Gräfin Maria Theresia von Törring zu Jettenbach aus kunsthistorischer Sicht besonders wertvoll. Es ist ein filigranes Meisterwerk des großen Hofbildhauers Johann Baptist Straub, das er 1757 angefertigt hat: Eine barocke Allegorie, hoch aufragend und dabei ungeheuer schwebend komponiert. Tauet Himmel den Gerechten Wer die Kirche betritt, der muss erst einmal über den Friedhof - ganz im Sinne des barocken Wahlspruchs „memento mori". Der Weg führt direkt vorbei am Beinhaus des Klosters und einem eisernen Grabkreuz. Hier liegt Norbert Hauner begraben, der Komponist des weithin bekannten Weihnachtsliedes „Tauet Himmel den Gerechten". Stampfl-Schlössl Über der malerischen Innschleife, in die sich Klosterau schmiegt, thront das Stampfl-Schlössl. Es wurde 1127 erbaut und ist Reststück einer Burg, die sich die Grafen von Megling anlegen ließen. Ein - heute verschütteter -Geheimgang führte hinab bis an den Inn. Er diente Raubrittern als Schutz: Mit über den Fluss gespannten Ketten hinderten sie Frachtschiffe an der Weiterfahrt und plünderten sie. Vor allem für die Salzschiffahrt war der Inn von größter Bedeutung. Heute wird das Stampfl-Schlössl nur noch friedlich genutzt. Ein Gastgarten ist beliebter Ausflugspunkt und bietet einen unvergleichlichen Blick über die Voralpenlandschaft. Klosterleben in Au Vier Schwestern aus Dillingen gründeten 1854 die Kongregation. In einem Teil des ehemaligen Augustiner Chorherren-Gebäudes nahmen sie die klösterliche Tradition wieder auf. Von Anfang an engagierten sie sich pädagogisch: Sie betrieben eine höhere Töchterschule, später eine Real- und Hauptschule. Aus einer Sonderschule, die 1970 gegründet wurde, hat sich eine heilpädagogische Einrichtung mit Förderschule, Tagesstätte und Heim für geistig- und körperbehinderte Kinder entwickelt. In Brasilien betreuen die Schwestern Aids-Kranke, in Berlin helfen sie Süchtigen. Die Sommerfeste der Behinderten in Au am Inn sind Anziehungspunkt für viele Besucher. Heute leben und arbeiten 23 Franziskanerinnen in Kloster Au; weltweit gehören 53 Schwestern der Kongregation an. Ihr 150-jähriges Bestehen im Oktober 2004 werden sie mit der neuen Mathis-Orgel feiern. Eine Gemeinde im Aufbruch Verglichen mit seiner herausragenden kulturhistorischen Bedeutung ist der Ort nicht eben groß: 450 Menschen leben in Au am Inn, das besonders als Ausflugsziel in reizvoller Landschaft geschätzt ist. Vom Stampfl-Schlössl hat man einen Panoramablick über die malerische Innschleife bis zu den Alpen. Der Biergarten mit eigener Brauerei im Ortskern neben der Kirche ist im Sommer ein beliebter Treffpunkt für Einheimische und weithin berühmt. Das "Bräustüberl" wird selbst von Münchner Stammgästen besucht. Kloster Au gehört zur Gemeinde Gars am Inn. Dort wirken die Redemptoristen mit Kloster und Internat, die Au im Pfarrverband seelsorgerisch betreuen. Das Projekt des Orgelneubaus hat in Au zu einer Aufbruchsstimmung geführt. Mit Aktionen beim überregional bekannten "Woll- und Töpfermarkt" wurden viele Spenden gesammelt. Ein "barocker Herold" warb für Orgelführungen. Eine besondere Hilfe durch Naturalien ist bereits Tradition: Einheimische Bäuerinnen backen leckere "Orgelkiachl" und spenden sie zum Verkauf. Mitglieder der Kirchenverwaltung und der Pfarrgemeinde engagieren sich zusammen mit dem "Förderkreis Mathis-Orgel" in vielfältiger Weise für die Orgel und das kulturelle Leben am Ort. Dabei arbeiten sie eng mit den Vereinen zusammen.Am 1. Juli fand erstmals ein großes Orgelfest statt:sichtbarer Zeichen dafür, dass der Orgel-Neubau auch zu einer vitalen Erneuerung des Dorflebens führt. |